Völkerwanderung

standAus aktuellem Anlass:

 

People are people

Wenn sich schon Briten bei euch die Klinke in die Hand geben, überlegt doch mal, wer da genau erwartet wird. Kommen ein paar Leute, nennt sie People – ja, auch wenn mehrere erscheinen. Stehen allerdings diverse Völker bei euch vor der Türe, sind es Peoples.

Wenn ihr Spaß an Scheinanglizismen habt, dürft ihr gerne Party davorhängen und die Leute somit zu Partypeople machen. Sollte Großbritannien aus der EU austreten oder die Queen noch mal einen runden Geburtstag feiern, könnt ihr sogar von Partypeoples sprechen – aber nur, wenn die Engländer zusammen mit den Schotten, Iren, Walisern oder allen zusammen feiern, ein Volk allein reicht da nicht.
Wollt ihr euch nicht als dumme Deutsche zu erkennen geben, sprecht doch lieber von revellers oder night owls, wenn ihr Nachtschwärmer meint.

Aber vielleicht haben wir die Partybeschreibung, die „Party-Poeplen“ einlädt, auch falsch verstanden und Zielgruppe sind ganz andere Leute, z. B. Party-Pöbel oder Party-Popel, die dann in Opeln (oder Oeplen?) vorfahren sollen.

 

Man / men

Ein Mann: man, zwei und mehr Männer: men. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Herren gentle sind. Mens treten in Bezug auf Herren nur mit Apostroph auf und auch nur dann, wenn die Herren etwas haben, z. B. ein agreement, das gentlemen’s agreement. Habt ihr damit ein Problem, macht es einfach wie Kohl und sprecht von einer Übereinkunft. Wollt ihr allerdings eine Unterhaltung über römische Mythologie starten, sprecht gerne von Mens, wenn ihr die Personifikation des Denkens und des Bewusstseins benennen wollt.

Bei Frauen läuft’s genau so, nur, dass eine Gentlewoman eher eine höhere Tochter denn ein weiblicher Kavalier ist.

„Behind every great man is a woman rolling her eyes“, sagte die Gentlewoman, nachdem die Herren im Tempel der Mens ein Gentlemen’s Agreement getroffen hatten. 

 

Und wenn wir schon mal dabei sind:

 

Seid / seit

Seit nutzt man bei zeitlichem Bezug (Eselsbrücke: seiT  bei ZeiT), die Nebenform von sein schreibt man mit d.

Ihr seid also seit 2007 Swinger, seid euch aber nicht bewusst, seit wie vielen Jahren uns eure Rechtschreibung fast körperliche Schmerzen verursacht. Ach, nehmt euch doch einfach ´nen Katalog und guckt seidenweise Seitenblusen.

 

Standard / Standarte

Wenn ihr mit kleinen Fähnchen wedeln wollt – vielleicht mal eine Alternative zu den unsäglichen Leuchtband-Parties, nehmt bitte ausschließlich Standarten; auch, wenn ihr Kästner zitieren und über den September philosophieren wollt. Geht es allerdings um eure Maßstäbe, nutzt bitte ausschließlich Standards.

Die Standart der Standarten muss den allgemeinen Standards entsprechen. 

 

Dass / das

Dass das Blättern in einem Duden neben dem Tippen manchmal schwer sein kann, verstehen wir, nicht aber, dass es nicht möglich sein soll, das Internet mal eben zu bemühen, um die Regeln zur Nutzung von dass und das nachzuschlagen.

Wenn das Wort ein Hauptwort beschreibt und durch dieses, welches oder jenes ersetzt werden kann, wird es mit einem s, das, geschrieben. Leitet es jedoch einen Nebensatz ein (oder – einfacher – nicht durch dieses, welches, jenes ersetzt werden kann), wird es mit ss, dass, geschrieben.

Dass das Swingerpaar nicht richtig schreiben kann, merkt man daran, dass das Paar ein Generatorenprofil nutzt.

 

ss / ß

Daß – also mit ß, ist ausgestorben, aber in anderen Wörtern wird’s noch verwendet.

Grob gesagt: Ist der Vokal vor dem Laut kurz, wird ss genutzt, ist er lang, ß.

Daneben gibt es noch eine Reihe von Ausnahme:

Wird der s-Laut z. B. beim Beugen von einem stimmlosen (eher ein gezischeltes s, wie etwa das in Haus) zu einem stimmhafen (wie in Busen), wird das Wort auch in der Form mit stimmlosen s mit einfachem s geschrieben, z. B. handelt es sich bei der Einzahl von Mäusen (stimmhaftes s) um eine Maus (stimmloses s) und nicht etwa um eine Mauß.

Wörter, die auf -nis enden, werden mit einfachem s geschrieben, obwohl ihre Mehrzahl mit ss geschrieben wird (Zeugnis – Zeugnisse).

Ausnahmen von der Schreibung mit ss bei vorhergehenden kurzen Vokalen sind manche das (Ausnahmen haben wir ja schon oben gelernt), sowie des, bis, wes.

Eigennamen richten sich sowieso nach keinen Regeln.

Wird euch das zu kompliziert, gebt vor, Schweizer zu sein. Dort wurde das ß schon vor Jahrzehnten abgeschafft.

Aus dem Bus nach Neuss sehe ich das Gras, das den Fluss neben der Straße umrahmt. Im Wasser sitzen zwei Spaßvögel und halten ihre Füße aus dem Nass. Hätten die beiden die Hornisse gesehen, hätte diese ihren Stachel nicht in diesem Ausmaß in die blassen, nassen Massen gestoßen.

 

Toleranz / toll

Ja, wir haben schon an anderer Stelle darüber referiert. Da die Tolleranten aber offenbar nicht ausgestorben sind, noch einmal:

Auch wenn man tolerant ist, kann man sich wie toll gebärden.

Das Wort tolerant kommt vom lateinischen tolerare, ertragen, das mit nur einem l geschrieben wird. Toll kommt vom althochdeutschen tol, das zwar auch nur mit einem l geschrieben wurde, aber für dumm oder töricht stand.

Wer tolerant mit zwei l schreibt, ist nicht toll, sondern tol. 

 

Frau / man

Man kommt von manche und gilt darum auch für Frauen. Schreibt ihr also frau statt man, gebt ihr euch damit nicht den gewünscht feministischen Anstrich, sondern wirkt eher dümmlich.

Mann, Mann, Mann, da tut man, was man kann, und sie schreibt immer noch frau statt man.

 

Wider / wieder

Kommt etwas erneut, oder zum wiederholten Male vor, wird wieder mit ie geschrieben. Hat das Wort eher die Bedeutung von gegen, wird es mit i, wider, geschrieben.

Wie er nach all dem Widerstand wiederholt wieder stand, ist wieder einmal kaum zu erklären.

 

Silvester / Sylvester

Ganz einfach: Der Feiertag heißt Silvester, bei Sylvester handelt es sich um einen Namen. Der Name kann aber alternativ auch Silvester geschrieben werden.

Wir feiern Silvester mit Kater Sylvester. Dann plaudern wir über Papst Silvester.

 

Apostroph / Deppenapostroph

Meist kennzeichnet das Apostroph in der deutschen Sprache die Auslassung eines oder mehrerer Buchstaben, z. B. wenn es mit einem vorhergehenden Wort zusammengezogen wird. Da gibt’s aber keinen Zwang zu, man kann das Wort auch ohne Apostroph schreiben.

Werden am Wortanfang Buchstaben ausgelassen und aufgrund besserer Lesbarkeit durch Apostroph gekennzeichnet, wird das Wort auch am Satzanfang klein geschrieben.

´s ist eigentlich gar nicht so schwer verständlich.

Bei der Verschmelzung einer Präposition mit einem Artikel (z. B. bei an, auf, bei, durch, für, hinter, in, über, um, unter, von, vor, zu) wird kein Apostroph eingesetzt.

Ums auf den Punkt zu bringen: Beim Clubaufenthalt kommt’s aufs Ambiente an. Vorm Sex sollte man nicht durchs Schlüsselloch fürs Klo schauen sondern unters Schlafmöbel oder übers Trenngitter.

Weiter zeigt das Apostroph den Genitiv eines Eingennamens, der phonetisch auf s oder einen Zischlaut (also ss, ß, tz, z, x und ce) endet, an, sofern sie nicht mit Artikel o. ä. versehen sind.

Andreas‘ Liebesschwüre waren Lutz‘ Frau ziemlich egal. Sie hätte lieber Tom Cruise‘ Aufmerksamkeit.

Wenn aus Platzgründen mehrere Buchstaben eines Eigennamens ausgelassen werden, muss die Wortstelle auch zwingend mit einem Apostroph versehen werden.

In D’dorf gibt’s gar keinen Club. M’gladbach hat dafür zwei.

Inzwischen ist es bei Personennamen zur Verdeutlichung der Grundform des Namens inzwischen auch erlaubt, ein Apostroph beim Genitiv zu verwenden. Das ist aber wirklich schlechter Stil.

Andreas Club wird von einer Frau geführt. Wenn Andrea allerdings häufiger nach Andreas gefragt wird, sollte sie ihn besser Andrea’s Club nennen, oder die Leitung ihrem Mann übergeben, der ihn dann auf jeden Fall in Andreas‘ Club umbenennen muss. Carlo und Carlos haben ein ganz ähnliches Problem.

 

22.09.15

 

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