loveboat

loveboatwieder einmal ein wochenendabstecher nach noordland; wir wollen am binnenmeer entspannen – und sind durchaus an abendlichen ausflügen in die ansässige erlebnisgastronomie interessiert.
der freitägliche ausflug gerät diesmal leider nicht – eventuell sollten wir unsere initialen impressionen von einst nochmals überdenken. der gesamteindruck ist ein deutlich anderer. dazu aber irgendwann in einer anderen geschichte.
samstag nun lockt dieser club direkt im wasser. nach einem entspannenden aufenthalt in noordlands hauptstadt und dem besuch beim örtlichen inder zwecks speiseaufnahme machen wir uns auf den weg und erreichen das etablissement in für uns ungewohnter frühe.
ein sehr professioneller empfang wird von einer grobeinweisung in die örtlichkeiten durch den sicherheitschef des hauses vorgenommen – freundlich-unaufdringlich und ohne jede details. das ganze hebt sich wohltuend von dem hierzulande üblichen mitschleifen quer über die matten ab. wellnessbereich, spielwiesenbereich, umkleidebereich und barbereich werden grob umrissen – mehr nicht. reicht ja auch völlig.
der aufenthalt hier hebt sich von anderen insofern ab, als es kein all-you-can-consume-flatrate gibt. das essen geht sozusagen aufs hausboot, die getränke jedoch werden zu akzeptabler kompensation abgerechnet.
es handelt sich um einen überschussclub – bei single-männern kommt zum mindestumsatz noch eine grundgebühr – welche den überschuss in grenzen hält.
an die bar schließt sich eine größere tanzfläche, umgeben von mehreren größeren sofalandschaften an. hier finden sich auch raucher-lounges, in denen zu unserer erhaiterung im verlauf des abends die raucher versuchen, die türen offenzuhalten … um nicht trotz des guten luftaustauschs mittels ventilatoren im eigenen qualm herumzutränen.
das ganze vermittelt einen deutlich wertigeren eindruck, als wir es von nordrhein-westfalens clubs gewöhnt sind – mit ausnahme des clubs neben den qualmenden misthaufen. sehr hübsch. das publikum ist weniger pseudo-elitär als im plaisir-für-vier; angenehm. auch die einzelherren fallen nicht negativ auf.
ein seltsamer musikmix wird gespielt: phasen von trance und techno werden durch phasen lateinamerikanischer folklore abgelöst – im ersten moment ein wenig unpassend erscheinend, was sich dann aber rasch ändert.
die küche gibt sich überaus erfolgreich mühe – wir werden nicht mit tk-gemüse und fertigsaucen konfrontiert.
natürlich passiert in den sofalandschaften schon einiges, doch irgendwann zieht es uns runter – ins untergeschoss zu den spielwiesen. im wellnessbereich herrscht gedränge. die abschließbaren kleineren zimmer sind bereits belegt. frei hingegen ist die sehr große zentrale spielwiese. wir setzen uns auf eines der diese umstehenden sofas und beobachten das treiben – was streng genommen eher ein vorbeimarsch langsamer paare und nervös umhereilender einzelherren denn ein treiben ist. die nervösen solos haben augenscheinlich alle ein gemeinsames steckenpferd: taschenbillard – und das in unterwäsche. neugierig schauen wir uns um, entdecken aber wider erwarten nichts, was eine derartig exzessive eigenbeschäftigung auch nur im geringsten rechtfertigt – niemand hat stärkeres interesse an ihnen.
uns umsteht eine quadriga aus 3 kleinasiaten und einem noordländer. alle sehr gierig, alle zu wenig distanziert, alle zu direkt fokussierend. wir bedeutend ihnen, dass jegliche hoffnung auf ein mehr ihrerseits eine vergebliche sein wird. erstaunlicherweise treibt sie das aber nicht, wie erwartet, in andere richtungen um ihr glück zu suchen. sie bleiben einfach – starrend. nichts vermag sie zu irritieren in diesem starren. der noordländer setzt sich auf die sofalehne und versucht, sein langsames vortasten mit der linken unauffällig wirken zu lassen. eine bequeme sitzhaltung nimmt er dabei nicht ein. entsprechend wirkt er nicht unauffällig, sondern angespannt trotzig.
wir ziehen auf die zentralwiese um und legen uns dort hin. selbstverständlich folgt uns die quadriga. die kleinasiaten wuchten ihre überschüssigen pfunde ebenfalls auf die matte – diesmal aber in deutlichem abstand. der noordländer setzt sich vor die spielwiese und damit wiederum ins fettnäpchen, als er versucht, von unten die mandeln zu erspähen.
wir scheinen zu halluzinieren – die eben noch deutliche distanz der kleinasiaten verringert sich deutlich – dabei findet keinerlei bewegung hin zu uns statt – jedenfalls nicht, wenn wir es sehen könnten.
mehrfach nehmen die vier jetzt visuellen oder sprachlichen kontakt auf, der jedesmal abschlägig beschieden wird. dennoch bleiben sie bzw werden von unsichtbaren drähten näher zu uns gezogen. haptische versuche bleiben allerdings weitestgehend aus.
die situation ist eine unangenehme, der wir uns durch ortswechsel erfolgreich entziehen.
den rest des abends verbringen wir, uns ohne fremdeinwirkungen miteinander beschäftigend, oben auf den sofas.
und dennoch war es eine interessante erfahrung und wir werden dieses etablissement sicherlich nochmals besuchen, sobald wir wieder in dessen nähe weilen.

01.09.2008

 

Bewertung nach Schulnoten von 1 – sehr gut – bis 5 – mangelhaft

  • Ambiente: 2
  • Sauberkeit: 2
  • Leute: 3
  • Stimmung: 2
  • Essen: 1
  • Preis/Leistung: 1
  • Visits: > 4
  • Vote: go

 

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