In der Friesenkate

friesUnd wieder konnten wir der Verlockung der Ferienhauskette nicht widerstehen und mieten ein Ferienhaus im Ausland. Eine Woche vorab ändern wir in der internationalen Community unseren Wohnort auf unser Feriendomizil, geben ein Speeddate-Gesuch für Freitag und Samstag ein und harren der Dinge.

Das erste Paar, das auf uns aufmerksam wird, klickt uns als Favorit. Man bekommt dann so eine Mail mit einem Sternchen und wird vom System der Community eingeladen, einen Stern zurück zu senden, wenn das Profil des Gegenübers denn gefällt.
Es gefällt. Hübsche Fotos gibt’s noch dazu. Wenn sie jetzt noch Gummis beim Sex verwendeten, hätten wir tatsächlich zurück geklickt. Aber sie tun’s nicht und führen aus, dass das kein Problem sei, da sie sich regelmäßig untersuchen ließen und die Swingerwelt ja ohnehin eine eingeschworene Gemeinschaft von Freunden sei.
Ja, ja. Das behaupten deutsche Communities auch immer. Swinger, denen dann auf Parties die Taschen, Handies und sonstige Dinge wegkommen und auch nach Aufrufen in diesen Communities nicht wieder zurück kommen, können wahrscheinlich ein anderes Liedchen singen.
Also kein Re-Favorit-Klick für das Paar.

Aber wir haben schon weitere Post in der Mailbox. Ein anderes Paar möchte uns kennenlernen und bietet ein Date in einem Club oder privat an. Profil und Fotos gefallen und erfreulicherweise gibt’s hier keinen Vermerk über Lotteriespiele bezüglich des Schutzes. Wir schreiben also zurück und bitten die beiden, einen Club für unser Treffen auszuwählen, da wir uns in der Gegend nun wirklich nicht auskennen.
Die Antwort kommt spät – wir hätten schon fast nicht mehr damit gerechnet. Die beiden sind angenehm unkompliziert. Sie nennen zwei Clubs und schlagen vor, dass wir einfach eine SMS schreiben, wenn wir im Ferienhaus sind. Dann könnten wir den Zeitpunkt unseres Treffens ausmachen.

Nachdem wir das freitagsüberfüllte Ruhrgebiet hinter uns gelassen haben, geht die Fahrt zügig voran. Dabei vergessen wir sogar, eine Rast zum Essen einzulegen und kommen dann doch etwas ausgehungert am Ferienhaus an.
Wir schreiben die versprochene Mail, duschen und harren der Dinge. Man ruft uns an und setzt uns auseinander, dass man verspätet eintreffen werde; irgendwelche Probleme mit dem Nachwuchs.
Wir fahren aber jetzt schon los. Auf dem Weg machen wir noch kurz Rast bei einer Döner-Bude, da wir dem Versprechen „kleines Buffet“ des Clubs – wir hatten uns auf die Friesenkate geeinigt, von der wir schon im Internet gelesen hatten und die auf unserer To-do-Liste steht – nicht ganz trauen.
In diesem Land bestehen oftmals große Buffets aus nichts außer einigen alten Brötchen und irgendwelchen undefinierbaren Wurstarten, da wollen wir eigentlich gar nicht darauf vertrauen, was ein kleines Buffet alles für uns bereit hält.

Es dunkelt schon. Glücklicherweise dunkelt es schon, denn die Landschaft hier ist nicht ganz so lieblich wie vorab angedacht. Eher schwer drücken kleine Wäldchen, alte Bauernhäuser und schmale Straßen auf unser Gemüt. Es ist nicht luftig-leicht wie beispielsweise die Gegend um Bielsiel, sondern es ist eher niederrheinisch melancholisch. Melancholie mögen wir sonst, ist uns doch nichts Morbides fremd, aber dies hier hat mehr von Langeweile als von charmanter Schwermut.

Ah, da leuchtet es rot in der Ferne; wir erreichen den Club.

Der mutmaßliche Chef lässt uns ein, gibt Erläuterungen und teilt uns mit, dass der Dresscode zwar erst gleich in Kraft tritt, alle anderen aber jetzt schon umgezogen sind.
Umsonst aufgerüscht! Wir kleiden uns auch gleich um.
Anschließend gehen wir der Musik nach und landen im Barraum. Nett hier. Ich hätte nicht gedacht, dass man Klinkerwände modern kombinieren kann. Neben der Bar ist der Raum noch mit mehreren Stehtischen, einer kleinen Tanzfläche, einer kleinen runden Spielfläche sowie einem halbrunden Sofa ausgestattet.
Die Bedienung ist nicht wirklich pfiffig. Wir müssen schon wild winken, um Getränke zu ergattern. Wir warten erst gar nicht, ob wir eine zweite Runde zugeteilt bekommen, sondern drehen selbige lieber durch den Club.

Viele Whirlpools gibt’s hier. Die einzelnen Räume bestehen fast immer aus einer oder zwei Spielflächen und Pool. Daneben gibt’s aber auch einen SM-Raum und einen Darkroom. Ganz oben wird gebaut. Vermutlich soll hier noch ein Orgien-Zolder her.
Für den Außenbereich ist es ein wenig kalt. Dennoch locken uns die Outdoor-Jacuzzis. Für den großen Swimmingpool ist es aber auf jeden Fall zu frisch!

Unten gibt es noch die Möglichkeit einer Wassermassage. Ganz haben wir das nicht verstanden. Allerdings sieht es sehr entspannend aus.

Ein Schlenker zum Buffet böte sich an. Wir sind überrascht: Was hier „kleines Buffet“ genannt wird, ginge in vielen anderen Clubs als normales bis großes Buffet durch. Es gibt zwar neben Suppe nur eine warme Mahlzeit (Reis mit irgendwas), aber daneben verschiedene Salate, diverse Obstsalate, Brötchen, Wurst-, Käse-, Fisch- und vegetarischen Aufschnitt und -strich, Frikadellen, etc.
Die Lahmacun hätten wir uns wirklich sparen können. Aber besser so – lieber Vorsehen als das Gegenteil.

Wir gehen zurück in den Barraum, denn wir warten ja auf unser Date.
Sind die beiden ggf. schon da?
Wir mustern mal die Anwesenden. Ein Paarmann, der mit seiner Begleiterin und einem anderen Paar an einem Tisch steht, fokussiert mich. Das Paar ist zwar ganz und gar nicht hässlich, aber ich finde den Blick alles andere als angenehm. Ihre Begleiter, ein überaus tätowierter Glatzenmann samt blonder Begleiterin, bei der nicht nur die weißen Stiefel auf einen bildungsfernen Hintergrund schließen lassen, gefallen uns auch nicht.
Die übrigen Paare, alles in allem sind wohl etwa 20 – 30 anwesend, sind eine bunte Mischung von Puttchen Pramml bis hin zu sehr attraktiven Leuten. Insgesamt können die Gäste hier zwar nicht mit dem Publikum des Plaisiers mithalten, aber der Club ist sowieso eine ganz eigene Liga.
Ansonsten finden sich an der Theke noch einige dickliche Solo-Männer. Ach ja, und das typische deutsche Klischee-Paar, das auf deutsch rumprollt, ist auch noch da.
Unser Date erkennen wir nicht – wobei mir eh mit dem Erkennen von Leuten Probleme haben – also harren wir der Dinge.

Wir warten nicht all zu lange, bis ein nett aussehendes Paar zu uns kommt. Unser Date. Sie haben uns nicht gleich erkannt, da ich das Erkennungszeichen, ein „glittering red dress“ nicht mehr trage, aber letztendlich hat es ja doch geklappt.
Eine angeregte Unterhaltung entsteht. Wir plaudern zwar in drei Sprachen miteinander, verstehen uns aber trotzdem wunderbar und besichtigen nach einiger Zeit auch gemeinsam die weiteren Räume.

Die … öhm … Besichtigung dauert länger. Sehr lange. Ein dazu kommendes Paar und zwei einzelne Männer kommen wegen Nichtgefallen und Nervalarm nicht zum Zuge und wir bleiben – ganz entgegen unseren sonstigen Vorlieben – in der Vierergruppe.

Als wir wieder zu uns kommen, dämmert der Morgen zwar noch nicht – obwohl, so sicher wissen wir das mangels Blick nach draußen eigentlich gar nicht – aber es ist schon ziemlich spät bzw. früh. Wir trinken zusammen noch etwas in der Selbstbedienungsbar oben und können danach dem Buffet nicht widerstehen. Dann drängt Pierre aber zum Abschiednehmen. Er muss am nächsten Tag früh arbeiten und kommt vermutlich gar nicht mehr zum Schlafen. Der Abschied ist kurz aber herzlich – wir werden uns sicherlich demnächst mal wieder treffen.

Wir zwei springen in einen der Jacuzzis, gehen noch mal durch den nun schon sichtlich leer gewordenen Club und fahren dann zurück in unser Chalet.

Unser Fazit: Ein schöner Club – wirklich. Er ist einigermaßen vergleichbar mit dem Dolce far niente und diesem Club. Die Einrichtung ist schick und phantasievoll, das Essen war voll in Ordnung. Für einen Freitag war eine Menge los – insgesamt ein angenehmes Publikum.
Wir hatten aufgrund von verschiedenen Berichten im Internet und der geographischen Lage des Clubs (nur eine größere Stadt in der Nähe) viel weniger erwartet.
Schade war, dass wir aufgrund unseres Dates tatsächlich nur einen der schönen Räume genutzt haben. Aber das Date war es wert. 🙂
Sicherlich ist dieser Club eher für Norddeutsche interessant, aber auch wir werden – wenn sich die Gelegenheit und ein Last-Minute-Angebot unserer bevorzugten Ferienhaus-Kette ergibt – sicherlich noch mal herkommen.

26.09.08

 

Bewertung nach Schulnoten von 1 – sehr gut – bis 5 – mangelhaft

  • Ambiente: 2
  • Sauberkeit: 1
  • Leute: 3
  • Stimmung: 2
  • Essen: 2 – für das „kleine Buffet“ am Freitag
  • Preis/Leistung: 2
  • Visits: > 2
  • Vote: go

 

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