Unbehagliches Schweigen

toiSternstunden der Erotik erlebt man zumeist in Clubs. Einige dieser Augenblicke hier mal komprimiert und unsortiert:

Wir haben uns in einem Club zurück gezogen. Ich kümmere mich mündlich um das Süßeste des Süßen und er tut es mir gleich. Wir werden durch die Frage:“Wollt ihr alleine bleiben?“, aufgeschreckt. Wir antworten beide nicht. Schließlich haben wir jeweils den Mund voll und die Situation ist eigentlich selbsterklärend. Der Jüngling lässt sich dadurch aber nicht abschrecken und fragt noch mal – lauter. Der Süße lässt sich schließlich zur Gegenfrage:“Wie lange willst du noch nerven?“, hinreißen und der gegnerische Herr verabschiedet sich. Gott zum Gruße!

Wir spielen, als in den Nebenraum – eigentlich ist es der gleiche Raum, er geht ums Eck – eine gemischtgeschlechtliche Gruppe kommt. Dicke Mädschen haben ja bekanntlich alle schöne Namen. Diese hier müssen wundervolle Namen haben und die dazu passenden Herren haben sie auch dabei. Wir nehmen sie gar nicht richtig wahr, hören aber mit einem Ohr Action. Nachdem Mann Nr. 1 gekommen ist, macht man nicht etwa weiter, sondern führt eine Unterhaltung in einer Lautstärke, die auf der gesamten Etage hörbar ist und die man einfach nicht überhören kann. Sie unterhalten sich darüber, in welcher Form sie wem einen im Whirlpool blasen und dass sie alle ja auch „nicht ganz schlank“ seien. Es geht weiter über ungewaschene Frauen zu zu sehr gewaschenen Frauen … Sogar die Einzelherren, die uns zusehen, turnt das zusehends ab. Wir können nicht anders und suchen uns einen neuen Spielplatz.

Wir haben uns mit einem Paar in einem Club verabredet. Wir kennen uns schon durch einige Dates, aber bislang lief außer ein bisschen Gefummel nichts. Diesmal wird es mehr geben. Wir suchen gemeinsam eine Spielfläche auf und beschäftigen uns miteinander. Ich bin ja immer mehr für ein wüstes Durcheinander nach dem Motto „Jeder mit jedem“, aber unser Gegenüber steht wohl mehr auf die Nummer „Bäumchen wechsel dich“. Auch recht. Dass der Herr sich jedoch zielgerichtet zwischen meinen Beinen niederlässt und loslecken will, passt mir so gar nicht in den Kram. Es gibt einfach Dinge, die mir mit anderen zu unsafe sind und darum dem Süßen vorbehalten bleiben. Ich locke ihn also weg. Er folgt mir gerne und widmet sich nun meinen Brustwarzen, in der ganz einfach kneift. Nicht die Behandlung, die ihnen und mir gefällt, aber einige Anlaufschwierigkeiten nehme ich gerne in Kauf. Meine Hand, die versucht, ihn etwas sachter an meine Brustwarzen zu führen, missversteht er und spielt mit meinem Bauchnabel. Ein etwas langweiliges Spiel: Er sticht mit seinem Finger immer wieder hinein. Ich führe seine Hand auch von dort weg. Bei mehreren Operationen gingen die Chirurgen mit ihren Gerätschaften durch meinen Bauchnabel, was ihn nicht schöner und weniger schmerzempfindlich machte. Aber das kann mein Gegenüber ja nicht wissen. Inzwischen spielt er mit meinen Schamlippen. Hier geht er mindestens genau so grob vor wie zuvor. Ich versuche noch mal, ihm zu verdeutlichen, dass ich es sanfter mag, was er sich auch nach einem Blick nach nebenan, wo der Süße sich sehr zärtlich um die Paardame kümmert, abschauen könnte, aber es klappt nicht. Bevor ich noch trockener werde, breche ich die Aktion ab und trinke – abgeturnt wie ich jetzt bin – etwas an der Bar. Ach ja, der Herr ist während unseres Zusammenspiels drei Mal gekommen …

Der Süße und ich verlustieren uns auf der Spielfläche. Um uns cruisen die Einzelherren. Hatte ich schon mal erwähnt, dass Badeschlappen absolut unerotisch sind? Nach einiger Zeit können wir die Herren an ihren Schlappen erkennen. Der eine macht bei jedem Schritt Quietschgeräusche, der andere schlurft, beim Dritten macht es „spratsch, spratsch“. Von einem anderen vernehmen wir lautes Gähnen. Der arme Mann! Kann nicht nach Hause ins Bett, sondern muss hier cruisen! Ein anderer (oder dieser?) will bei uns mitmachen. Er kommt zu uns auf die Spielfläche, verharrt in einigem Abstand und beginnt zunächst, sich am ganzen Körper ausgiebig zu kratzen. Wir bekommen ein bissl Angst vor Flöhen und entscheiden, allein zu bleiben.

Wir spielen. In den Raum kommt ein Mädschen mit einem so schönen Namen, dass er für drei reicht. Sie hat einen Mann dabei, der wohl auch einen schönen Namen haben muss, gegen sie aber eher schmal wirkt. Nach einer Diskussion, von wo aus sie den besten Blick haben, setzen sie sich in einiger Entfernung von uns und betrachten uns wie einen Fernseher. Wir entschließen uns zu einem Päuschen. „Seid ihr etwa schon fertig?“, kommt es da in einem jovialen Ton von Nebenan. Sie warten nicht auf Antwort sondern entscheiden:“Wir machen mit.“ Mit unserem:“Nein, kein Interesse.“, überschlagen wir uns beinahe und können sie tatsächlich abhalten, zu uns zu kommen. So ganz verstehen sie die Ablehnung aber nicht. Wir müssen uns wiederholen. Nach einigem Genörgel ziehen sie von dannen.

Ich habe mal wieder einen Nachuntersuchungstermin (sie hören gar nicht mehr auf; ich habe schon lange den Verdacht, dass das alles Geldschneiderei vom Süßen ist; meine Chipkarte von der Krankenkasse wollte er noch nie sehen, so dass sicherlich noch mal eine dicke Rechnung folgt und inzwischen glaube ich auch nicht mehr, dass er Arzt ist …), lege mich also auf den Gynstuhl. Es vergehen kaum einige Sekunden und schon sind sie da: etliche Herren, die wohl am liebsten in mich reinkriechen wollen, so dicht stellen sie sich neben uns. Irgendwie unangenehm. Glücklicherweise verschwinden sie fast genau so schnell wie sie gekommen sind als sie sehen, dass wir ganz normal spielen und ich nicht etwa dreifache Saltos mit fremden Schwänzen im Mund vollführen werde. Die Hälfte von ihnen verfängt sich in dem neben uns von der Decke hängenden Schnallenkram, was mich amüsiert, aber auch ablenkt.

Nun erscheint ein Paar. Ich mag ja diese Paare, bei denen die Dame hinter dem Mann steht – manchmal möchte man fast meinen, sie drängt ihn vorwärts, die Szenerie – wenn überhaupt – gelangweilt musternd und ansonsten darauf wartend, dass er endlich fertig ist. So auch dieses Exemplar. Kaum haben sie sich bereit gestellt, macht es auch schon „patsch“ und ich habe seine Hand irgendwo hängen. Suuuuper anregend. Aber immer noch besser als sein Schwanz, den ich fast vermutet hätte. Vollkommen perplex ob dieser erotischen Kontaktaufnahme starre ich die Hand an. Die beiden sagen nichts und verschwinden – nicht ohne sich ebenfalls in den Schnallen zu verfangen.

Kurz vor dem Spielen – wie haben uns schon in ein Kämmerlein zurückgezogen – merkt der Süße, dass er zur Toilette muss. Über seine kleine Blase habe ich mich schon so manches Mal ausgelassen und kürze es hier ab: Ja, er hat eine zu kleine Blase. Ich liege gerade bequem und sage ihm, dass ich hier auf ihn warten werde. Er entschwindet und ich harre entspannt der Dinge, die da kommen werden. Und schon sind sie da, mehrere Einzelherren, die erst normal vorbeigehen, dann aber bemerken, dass dort eine Frau alleine liegt, stocken, zurückkommen und noch mal schauen. Großes Getrappel. Aber keiner traut sich herein. Die Situation ist ihnen irgendwie suspekt und sie trauen dem Braten nicht. Hinter der gegenüberliegenden Säule hält sich ein Mann versteckt. Hin und wieder sehe ich, dass er zu mir rüberlinst. Leider hat er beim Verstecken seinen Bauch vergessen, der hervor schaut und mehr auffällt als sein Kopf. Keine Ahnung, was er hier erwartet. Wilde Masturbationsspiele?

Nun kündigt ein Paar mit lauter Diskussion sein Erscheinen an. „Ne, geh’ du vor.“ – „Ich trau’ mich nicht.“ – „Nun geh‘ schon.“ – „Aber du bleibst bei mir!“ Sie setzen sich nebeneinander auf die Bettkante. Ich rücke mit unserem Kram – Handtücher, Kissen, Schuhe, … – etwas weg, um Platz zu schaffen und beobachte weiterhin amüsiert den Mann hinter dem Türrahmen, der seine Observation Sharelook-Holmes-gleich weiterführt. Das Paar nimmt mein Rücken zum Anlass, auch weiter herein zu rücken. „Was guckstn so da hin?“, kommt es von ihm. Ich frage ihn, ob er damit ein Problem hat, worauf er keine Antwort weiß und diese Frage erst einmal mit seiner Partnerin ausdiskutiert. Danach rücken beide ab, eine passende Antwort fiel ihnen wohl auf die Schnelle nicht ein.

Der Süße ist endlich zurück. Er spielt mit und an mir und ich schließe entspannt die Augen. Ein weiteres Paar erscheint auf der Bildfläche. Auf der großen Mattenlandschaft müssen sie sich ausgerechnet so legen, dass zwischen uns kaum ein Blatt Papier passt. Ich schrecke von Titten, die in meinen Rücken gehauen werden, auf und einer Hand, die irgendwie an meinem Hintern rumkitzelt. Das passt jetzt gar nicht (wie kommen die überhaupt auf die Idee, dass ich an einer anderen Frau Interesse haben könnte, ist das Pflicht in Swingerkreisen?) und außerdem lenkt es mich ab. Ich rücke also etwas weg. Die Dame versteht diese Geste nicht und macht munter weiter, was mich zu der rhetorischen Frage verleitet, ob es nicht Ablehnung heißt, wenn man auf Berührungen hin wegrutscht. Das verstehen beide und nach einigem Gemurmel verschwinden sie.

Es ist schon spät und wir sind auf einen Absacker in eine erotische Bar gekommen. Mit unseren Getränken lassen wir uns auf einem Sofa nieder und verfolgen den Pornofilm – nicht ohne unsere Kommentare dazu abzugeben. Gegenüber von uns sitzen zwei Männer, die mich unablässig anstarren. Mir wäre es gar nicht weiter aufgefallen, wenn der Süße es nicht erwähnt hätte, aber nun bemerke ich es natürlich auch. Die beiden Herren lassen sich durch nichts ablenken und schließen sich noch nicht mal dem üblichen Ententanz an, wenn eine andere Frau oder ein Paar die Matten aufsucht. Der Süße fühlt sich genervt und startet zum Gegenangriff. Nun fixiert er seinerseits die beiden Herren. Denen ist das zwar sichtlich unangenehm, aber sie schauen weiter. Irgendwann wird’s mir zu blöd, ich lehne mich zu einem von ihnen rüber und sage ihm, dass fortwährendes Starren nicht anregend, sondern bedrohlich wirkt. Und schon verliert die Situation Spannung. Der Mann lacht – jegliche Anspannung weicht aus seinem Gesicht, er entschuldigt sich und wendet sich seinem Begleiter zu, mit dem er nun plaudert. So wäre er für uns sicherlich interessanter gewesen als als Dauerstarrer.

Wir sitzen in einem Club an der Bar und unterhalten uns. An unsere Seite stellt sich ein Paar. Sie ist uns schon vorab durch ihre Frisur und ihr Outfit aufgefallen und hat dabei gefallen. Außerdem grüßte sie uns am frühen Abend mit:“Ahoi!“, was ich sehr charmant fand. (Der Süße meinte, sie hätte „hoi‘ zu meiner Oberweite gesagt, aber das glaube ich nicht.) Einem positiven Abschluss steht somit eigentlich nichts entgegen. Aber bislang nehmen wir sie nur nebenher wahr und sind vertieft in unsere Unterhaltung und in unsere Getränke, die hier – nebenher bemerkt – ziemlich gut gemischt sind.

Ich werde aufmerksam dadurch, dass Blicke auf mich gerichtet sind. Ich schaue auf und sehe, dass beide auf mich starren. Nach einer Weile tuscheln sie miteinander und starren danach weiter. Abwechselnd fällt ihr Blick auf mich und den Süßen. Dazwischen immer wieder Getuschel. Eine ganz komische Situation. Wäre dies irgendwo anders vorgefallen, hätte ich Angst, dass ich gleich überfallen werden soll. Was es hier bedeutet, weiß ich nicht so recht.

Als der Süße zu seinen Nicoretten greift, fragt sie ihn, ob es sich dabei um Viagra zum Kauen handele. Sie erhält Auskunft, kann damit aber nicht wirklich etwas anfangen. Das Gespräch verebbt. Wir entziehen uns dem Starren, indem wir wieder spielen gehen.

Später überlegen wir, ob es sich um einen missglückten Flirtversuch handelte. Ich hänge immer noch an meiner Überfall-Theorie, aber der Süße meint, das sei Quatsch.

Aber wenn es denn ein Flirtversuch war, ging’s nicht noch blöder? Erst starre ich mein Gegenüber so lange an, bis dieses fast schon Angst bekommt, haue ihm dann eine Quasi-Beleidigung um die Ohren und wundere mich danach, dass es entsetzt abhaut.

Dabei wäre es doch so einfach gewesen. Eine Bemerkung über unsere Kleidung, die Größe des Süßen, unsere für diese Gegend wunderliche Sprachfärbung (ja, wir waren mal wieder in Ganzweitweg), … hätte es schon getan. Man hätte sich nichts vergeben, sondern eine Unterhaltung gestartet, in der wir uns über Kleidung, Clubs, Dialekte hätten austauschen können.

Hatten die beiden auf ihre Frage wirklich ein „Ja, ich kriege keinen hoch, darum bin ich froh, dass ich jetzt auf Viagra zum Kauen zurück greifen kann“? Btw – sollte man wirklich mal machen, falls so eine Frage wider Erwarten erneut kommt.

Wobei wir schon mitten im eigentlichen Thema sind:

Clubbesuche dienen doch im weitesten Sinne der Kommunikation und dem Austausch mit anderen. Kaum jemand wird wirklich den ganzen Abend über alleine bleiben wollen und schließt vorab bereits Unterhaltungen aus. Genau so zu vernachlässigen wird der Personenkreis sein, der tatsächlich ausschließlich „anonymen Sex“ sucht.

Aber warum machen es sich alle derart schwer? Warum entschließt man sich unter großen Diskussionen, bei einem schon begonnenen Spiel mitzumachen?

Und wenn man sich dann schon entschließt, warum hernach ein solcher Schnellschuss? Kann man nicht erstmal etwas Abstand wahren, die anderen beobachten – nicht so, als ob man im Kino ist, sondern beiläufig und miteinander beschäftigt – und dann eine passende Annäherung zum passenden Zeitpunkt machen? Also nicht sanft streicheln, wenn es schon wilder zugeht und auch nicht den gerade Passiven durch eine Handbewegung aufschrecken und ablenken (der aktive Part kann in dieser Situation sicherlich mehr mit einer fremden Hand anfangen).

Ich sehe ja, das ist nicht ganz einfach und benötigt Fingerspitzengefühl. Aber man kann es sich doch auch viel leichter machen, indem man schon an der Bar, im Whirlpool oder sonst wo Kontakt aufnimmt.

Aber das kommt wenig bis gar nicht vor. Bestehende Gruppen unterhalten sich ebenso wie vorab Verabredete. Der Rest bleibt unter sich und schweigt sich unbehaglich an. Wir wollen alle so locker und aufgeklärt sein, dass wir sogar Erotik mit anderen teilen, sind aber doch so eingeschüchtert, dass wir noch nicht mal ein Gespräch auf die Reihe kriegen. Lieber legen wir dann anonym auf der Matte an andere Hand an und glauben tatsächlich, dass dies eher zu einem positiven Erlebnis für alle Beteiligten führen kann. Besonders wichtig hierbei: den ganzen Abend über angespannt schauen. Ist ja schließlich auch alles andere als relaxed!

Somit üben wir schon mal ein böses Gesicht und schweigen uns an, auf dass es uns auch zum nächsten Clubabend wieder gelingen möge! Waidmanns heil!

03.03.07

 

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