Geheimnisse der Swingerwelt

wil KopieWir beschließen eine Fahrt in einen Club, den wir bereits kennen und zu dem wir sogar schon einen Clubtest geschrieben haben.

Heute macht uns jemand anderes auf als sonst: eine Dame mit einer schrillen Stimme, die sich über alles Mögliche und Unmögliche schier vor Lachen ausschütten will.

Ist die immer so oder ist sie schon angetüddelt? Na ja, da sie uns die Tür auf gemacht hat, müssen wir DIESE Stimme wenigstens nicht auf den Matten ertragen.

Nach dem obligatorischen Getränk an der Bar (wie schade, sie haben eine Sitzecke in eine – nicht genutzte – Tanzecke umgewandelt) und einem ersten Rundgang durch die Räume finden wir uns am Buffet wieder.

Wir beginnen unsere Clubabende meist so. Zunächst richtig ankommen, dann schauen, was so los ist und dann ein bissl essen.

Wie schade, am Buffet gibt’s – neben Salat und den üblichen Mozzarellascheiben – wirklich gar nix für uns. Aber ein Schild hängt da: Wer vegetarisch essen mag, soll sich in der Küche melden. Die Köchin kommt sofort an unseren Tisch und zählt uns verschiedene Dinge auf, die sie uns anbieten kann. Wir wählen aus und haben nun eine kleine Wartezeit, in der wir uns umsehen.

Am Nebentisch unterhalten sich zwei Paare, die sich offensichtlich soeben hier kennen gelernt haben.

Eins der Paare erkennen wir von einem Profil einer von uns frequentierten Community. Das andere Paar fällt uns durch die unkonventionelle Kleidung der Dame auf: Interessanterweise trägt sie ein normales weißes T-Shirt zur Unterhose.

Das Community-Paar schwärmt dem T-Shirt-Paar gerade von diversen großen Clubs vor, in denen sie offenbar sonst verkehren. Natürlich werden mal wieder die üblich Verdächtigen hoch gelobt. Sollen sie, wenn sie’s da wirklich nett finden. Wir glauben aber, dass es oft im Mangel an (bekannten) Alternativen liegt.

Bei den zwei Paaren geht’s nun um Urlaube, usw. – ganz normaler Pre-Fucking-Swinger-Talk eben. Merklich kühler wird das Viererverhältnis als die Feindschaft zweier rheinischer Kommunen zum Thema wird und sich herausstellt, dass das eine Paar in der Nachbarschaft der einen und das andere Paar in der Nachbarschaft der anderen Gemeinde wohnt. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ich dachte bisher immer, das sei ein Thema für den Karneval und irgendwelche blöden TV-Sendungen, aber für diese vier scheint es echt ein Problem zu sein! Das Gespräch erholt sich auch nicht mehr. Das Community-Paar will noch mal in Richtung Swingerclubs lenken, aber die anderen wollen sie falsch verstehen und empfehlen ihnen, doch woanders hinzugehen, wenn es ihnen hier nicht gefällt.

Suspekt – innerhalb von vielleicht fünf Minuten ist die Stimmung am Tisch von fröhlich-anregend auf eiskalt eingefroren.

Fertig mit dem Essen, machen wir uns später oben einen kleinen Spaß. Heute ist hier „Kerzenabend“, d. h. es ist viel weniger beleuchtet als sonst. So wurde ein Raum (für uns nicht zum Spielen geeignet, da mit Luftmatratzen ausgestattet) zum Darkroom. Wir legen uns herein, kuscheln ein wenig und schauen nach draußen. Fast jeder, der in die obere Etage kommt, späht in den Raum und versucht, etwas zu erkennen. Ich denke, sie sehen auch etwas – meine helle Haut muss doch leuchten – kriegen aber nicht zusammen, was sie da genau sehen und benehmen sich wohl gerade darum so als wären sie alleine. Wir sehen Männer, die sich in der Nase rumbohren und Paare, die lautstark diskutieren, dass da doch „irgendwas“ sei. Teilweise müssen wir uns das Lachen schon sehr verbeißen.

Als der Süße die Toilette aufsucht, bleibe ich einige Minuten alleine. Irgendein Mann kommt, tastet wild herum, erwischt mein Bein, murmelt irgendetwas und fragt dann, ob er uns aus unserem Lieblingsclub kennen könnte. – Ja, könnte er. – Der habe ja zu. – Ja, hat er. – Ja, warum denn? – Öhm … bin ich die Pressesprecherin des Clubs? Ich sage dem Mann, dass ich der Meinung bin, nicht die gesamte Etage mit dieser Unterhaltung beschallen zu müssen und schlage vor, sie später gegebenenfalls unten fortzusetzen. Das gefällt ihm nicht. Er habe gedacht, „wo doch der Mann“ … und außerdem störe so etwas auch niemanden. Das weiß ich besser, haben wir doch etliche Texte auf der Page, in denen es um unnötiges und störendes Labern im Spielbereich geht. Das erzähle ich ihm aber nicht. Der Süße kommt auch gerade wieder und der Solo zieht ab.

Später an dem Abend spielen wir auf dem Gyn-Stuhl. Einige nervöse Herren sind schnell verjagt. Ein TV nähert sich langsamer, aber immer noch zu schnell. Interessant – TVs sind oft viel einfühlsamer als viele andere Männer.

Aus den Augenwinkeln sehe ich noch, dass auch das Community-Paar im Raum ist. Mehr bekomme ich aber nicht mehr mit, denn ich schließe die Augen und bin mit meinen Gedanken ganz woanders … Ich schrecke davon auf, dass irgendwer an mir herumfummelt und fragt, ob ich mich anfassen lassen will. Aha, Frau Community-Paar, besser gesagt, Frau Empathie. Sie hat’s geschafft, mich vollkommen rauszubringen und kriegt nun auch nicht mit, dass ich mich momentan ganz und gar nicht mehr von jemandem – außer dem Süßen – anfassen lassen will, schon gar nicht von jemanden mit so wenig Einfühlungsvermögen. Wir brechen ab.

Kaffee gibt’s am Buffet. Wir wandern also noch einmal dorthin und nehmen Platz. Dort windet es. Wir sehen den User „Laue Briese“ aus einem Forum, in dem wir mal angemeldet waren. Er konnte uns – und insbesondere den Süßen – nie ausstehen, womöglich, weil wir uns immer über seine miese Argumentation amüsiert haben.

Nun sitzt er hier wie ein Buddha – umrahmt von einigen Mädels mit ähnlich schönen Namen – und gibt den großen Mann. Dabei erkennte er uns nicht mal. Wir sind erhaitert.

Noch mal oben erhaitern wir uns weiter. Diesmal über die Männer, die ratz-fatz in unserer Nähe stehen und uns beim Nichtstun zusehen.

Wir entscheiden uns zur Abreise. Hier sind heute eh keine Leute, die uns in irgendeiner Form zu gemeinsamem Spiel reizen. Viel zu viele schöne Namen.

Noch ein letztes Getränk an der Bar. Dort üben tatsächlich einige Männer, mit einer Hand einen BH zu öffnen. Besser, wir fahren jetzt…

08.11.07

 

Der Clubtest:

 

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