euro nach athen

euronun, das also ist der club athen. angeblich verbirgt sich hinter den grauen 70er-jahre betonmauern ja einer der besten clubs nrws. wir werden es erleben.
der club ist auch einer der älteren in nrw und muss früher, glaubt man den altvorderen, ein absoluter hammer gewesen sein. mittlerweile gab es einen betreiberwechsel und renovierungen/umbauten – so wirbt die hp.
am eingang sitzt eine frau, die nahezu unfreundlich den obolus in empfang nimmt und sich unmittelbar nach dessen empfang wieder ihren fingernägeln zuwendet. wir können zwar mit dem oft antreffbaren überschwang wenig anfangen und mögen distanz in geschäftlichen dingen – aber die distanz hier empfinden wir als übertrieben.
wir finden den umkleidebereich und sind erstaunt. zu 70er-jahre teppichboden der abgewetzten art gibt es holzpaneele marke oberförster an den wänden und spinde diverser hersteller, farben, größen und epochen – es sieht lieblos zusammengestückelt aus.
von dort betritt man den barraum – eine riesige unterbesetzte holz-bar in rechteckform steht auf einem steinboden. drum herum ein paar absperrspaliere aus wuchtigem holz – die wände wiederum holzvertäfelt. erinnert eher an einen gasthof „hubertus“ denn an einen swingerclub.
um die bar herum sitzen die gelangweilt wirkenden gestalten der nacht – in dem, was sie für erotische outfits halten. badelatschen quietschen am laufenden band über den steinboden. das gefühlte durchschnittsalter ist kongruent zum durchschnittsgewicht: bei weitem zu hoch.
in vielen hallenbädern ist die atmosphäre prickelnder.
wir schauen uns um und finden eine große angrenzende discothek mit bequemen lotterbetten am rande. ein voluminöser mensch mit überaus hoher stirn fummelt hinter einem pult an knöpfen und prompt wechselt die beschallung von charts zu deutschem schlager. na klasse, wieder einmal erklingt unser erotischer lieblingshit „kein mensch – der diesen schrott erträgt“; achnee – das war ja irgend etwas mit einem stern. auch egal – die disco ist eh leer.
wir wandeln weiter und erreichen das buffet – welches angeblich seinesgleichen sucht. wir stimmen dieser aussage zu: so mies ist die verpflegung wirklich kaum irgendwo. fleisch und obst in aspik – wie vor 40 jahren. vegetarisches sucht man vergeblich – vielfalt ebenso. es gibt 08/15 kasernenfraß in ein paar variationen.
wir haben glück, nach einer knapp halbstündigen wartezeit bemerkt uns eine der zwei thekentrinen und nur wenige minuten später bekommen wir etwas zu trinken. unterbesetzung der bar ist eine hübsche und unauffällige methode, die getränkekosten zwecks gewinnmaximierung zu senken. wir kennen das ja schon aus dem yachtclub – welcher ähnlich charmant auf seine nicht völlig abgestumpften gäste wirkt … soweit man dort überhaupt weniger abgestumpfte leute antreffen kann, allerdings ist man dort jünger und schlanker.
wir wandern weiter – die absätze hämmern über steinfliesen. es geht etwas hinab, ein langer kalter gang, von dem ein paar wenige räume abgehen. massage, dusche, fkk-bar, wendel-aufgang nach oben – am ende sauna und pool.
sauna muss heute nicht sein, der pool ist recht kühl … hier lockt uns nichts.
wir wendeln uns nach oben – und sind überrascht. es gibt einige hübsche räume mit diversen spielmöglichkeiten. alles sehr opulent eingerichtet und durchaus stimulativ. welch harscher gegensatz zum kalt-nüchternen unten. besonders ein raum hat es uns angetan: ein rundbett in einem riesigen raum, flankiert von zwei liegeflächen auf gleicher höhe und einer weiteren höherliegenden. ein wirklich schöner raum. weit schöner als die sich darin herumwälzenden, untersetzten, schwitzenden end-50er. herumwälzend passt sehr gut – für alle anderen bewegungen erscheint uns externe hilfestellung dringend erforderlich. sind eigentlich sanitäter anwesend? manch puterrotes gesicht lässt baldiges ableben erwarten.
erstaunlicherweise gibt es annäherungsversuche, als wir uns spielend niederlassen. wir aber mögen 20 weder als alters- noch als gewichtsunterschied und bleiben für uns.
später besuchen wir, untypisch für uns, die fkk-bar. hier herrscht eine sehr angenehme stimmung und es erinnert an das, von uns so geschätzte, alle mit allen in adäquater umgebung. sehr hübsch – nur eben nackt, was nicht nur an fkk-stränden wenig erotisierend auf uns wirkt und was wir weitgehend meiden.

unser fazit ist ernüchternd. wenn das einer der besten clubs des landes sein soll, sollte man um die schlechteren einen noch größeren bogen schlagen.

selbstverständlich erhielt aber auch das athen eine zweite chance, einen besseren eindruck zu machen. der club ließ sie erwartungsgemäß ungenutzt. wir tragen unsere sauer erworbenen euros lieber ins saure oder niedere land.

21.10.08

Ein kurzes Update zum Club gibt’s in unserem Jahresrückblick.

 

Bewertung nach Schulnoten von 1 – sehr gut – bis 5 – mangelhaft

  • Ambiente: 3
  • Sauberkeit: 2
  • Leute: 4
  • Stimmung: 3 – 4
  • Essen: 4
  • Preis/Leistung: 4
  • Visits: > 5
  • Vote: neutral

 

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