die romanische kopulationsfeier

fahrrschon vor langer zeit stellten wir unsere abneigung gegen schubladen fest. schubgeladene menschen erschienen uns immer als extrem positions- und blickwinkelgebunden. oder – um es auf gut deutsch zu benennen – einfach als spießig.

nichts gegen den spießer in seinem ursprung – der spießbürger war einst teil einer stadtwache und bewachte die stadt gegen gesindel. damals eine ehrenvolle aufgabe zur sicherung von hab und gut, die nur von allgemein als vertrauenswürdig eingestuften bürgern wahrgenommen werden konnte; männlichen bürgern, versteht sich.
indes wandelte sich der dem wort innewohnende beiklang im laufe der generationen und heraus kam die null, der schon der rand einer untertasse zu weit entfernt und zu hoch ist, die aber vehement auf den einmal eingenommenen positionen beharrt und völlig beratungsresistent agiert.

überhaupt stellten wir bei diesen reflexionen fest, dass uns jeder sinn für gruppenzugehörigkeit abgeht – obwohl wir manchmal ein unbestimmtes sehnen nach gruppe verspüren (dem wir aber bislang nicht nachgaben).
gruppe ist immer abgrenzung – gern uniformiert zur demonstration ihrer andersartigkeit.
wir aber mögen abgrenzung und ausgrenzung nicht. wir weigern uns, gruppe mit zu sein. wir mögen es, kreuz und quer durch alle randgerichteten gruppen zu agieren und uns alles zumindestens mal anzusehen. wiederum auf gut deutsch: berührungsängste sind uns weitgehend fremd. mit aufmerksamen blicken verfolgen wir in diversen foren die geschehnisse und events, zu denen wir bei gefallen eben auch hinzustoßen.
so stießen wir auch auf den titel dieser party; romaniker – nicht gerade bekannt als DIE kopulationsfetischisten – richteten eine initiale kopulationsgetriebene party im r-götze im ruhrpott aus. eine reizvolle diskrepanz für uns – und schon waren wir angemeldet.
kurz danach erreichte uns eine veranstaltermail – wir sollten vorab irgendwohin geld überweisen, um die teilnahme beiderseits zu garantieren. derartiges liegt uns generell nicht – wir halten eine menge von alten traditionen. so sind auch unsere teilnahmezusagen für uns absolut bindend und es bedarf schon mittlerer katastrophen, uns von einmal getätigten zusagen abzubringen (dafür schludern wir enorm bei zeiten und sind fast nie pünktlich).
also beschlossen wir, das risiko einer vollbesetzten feier einzugehen, die uns ggf vor der türe stehenbleiben lässt.

wider erwarten schafften wir es, pünktlich zu einlassbeginn vor ort zu sein und einen der wenigen noch freien plätze zu ergattern. obwohl wir dem romanischen dresscode nicht wirklich entsprachen, sondern eher kinky gekleidet erschienen, fühlten wir uns nicht unwohl – im gegenteil.
das zahlritual ist ein seltsam anmutendes: man bekommt eine prepaid-verzehrkarte … und beim gehen unverbrauchte credits zurückerstattet. wir geben zu: die türe wirkt nicht gerade professionell – für ein erstlingswerk aber durchaus annehmbar. was enorm positiv auffiel war, dass man uns schon an der tür grob über alles zu erwartende informierte – inklusive eines grobüberblicks über die räumlichkeiten.
im gegensatz zu sonst sparen wir uns eine nähere beschreibung des r-götze, da es um die beginnende partyreihe geht, deren austragungsorte ggf ja wechseln können.
mit dem zu entrichtenden obolus für die party ist ein besseres fingerfood-buffet inkludiert – getränke gehen extra. wir nahmen ein getränk zu uns … bzw wir versuchten, einen der barkeeper dazu zu bewegen, uns mit flüssigkeit zu versorgen. nach nur wenigen vergeblichen versuchen war uns erfolg beschieden. dachten wir jedenfalls – denn nun begann der verzweifelte versuch zweier barkeeper, mit hilfe eines rezeptzettels etwas halbwegs cocktailähnliches herzustellen.
irgendwann klappte wider erwarten auch das, und so spazierten wir mit unseren gläsern ein wenig umher und mischten uns unters ach so martialische anmutende volk. man sah zuhauf tätigkeiten, die dem namen der party entsprachen, auch wenn viele eher für sich blieben.
alle anwesenden hatten sich sehr viel mühe mit dem aufhübschen gegeben, wie wir angenehm überrascht feststellen konnten. von swingercluberotik in unnerbüx und badelatschen war gottlob gar nichts zu spüren.
zur musik sei nur angemerkt, dass sie uns weit weniger als befürchtet zu erschrecken in der lage war, trotz des teils sehr semiprofessionellen eindrucks, den die dj’s hinterließen.
irgendwann fanden wir das fingerfood. erstes erstaunen: im gegensatz zur swingerszene mit ihren fetten bratenliebhabern (wir überlassen euch die zuordnung des adjektivs zu wahlweise subjekt oder objekt), scheinen die meist weniger fettleibigen romaniker ein faible für vegetarische genüsse zu besitzen. das freut uns angesichts unserer veggie-quote von 50% ungemein. gut – der einen oder anderen speise hätte etwas würze weit mehr pepp verleihen können, aber insgesamt beeindruckte uns die vielfalt des angebots. vor allem aber wirkten die speisen alle selbstgemacht und nicht geordert.
wir spielten ein bisschen in der medizinischen abteilung, brachen aber den besuch aufgrund unserer damaligen gesundheitlichen probleme ab, was aber nichts mit der party zu tun hatte.
nachdem wir beim verlassen das restguthaben in empfang genommen hatten, wurden wir gebeten, einen zettel zur zufriedenheit mit der party auszufüllen, was wir auch gern und reichlich taten. dann entschwanden wir und fuhren zufrieden gen südlicher heimat.

einige zeit später stand die nummer 2 der party an und wir entschieden, nochmals hinzugehen. wieder das prozedere mit der mail, wieder unser hinfahren auf risiko, wieder das nämliche eingangsritual.
dann aber stellten wir fest, dass etliche unserer kritikpunkte anscheinend auch anderen aufgefallen, und von den veranstaltern aufgenommen und geändert worden waren. diesmal war auch das buffet noch weit reichhaltiger – und weit besser abgeschmeckt und die barkeeper kamen ebenfalls in die hufe.

wir freuen uns auf die fortsetzung.

10.12.2011

 

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