Der Angora-Bachelor

Angora

bachelorIn unserer Szene, die vor illustren Persönlichkeiten nur so wimmelt, gibt es einen Herrn, auf den dies ganz besonders zutrifft. Er ist sozusagen die Szene himself und sein Ruhm umstrahlt ihn, so dass sogar mein finsteres Dachkämmerlein davon erhellt wird.

Der Meister aller Communities nennt sich Angora-Bachelor und dass er bei seinem Schreibstil Gerüchten zu Folge nur Hausmeister an der Uni ist, ist sicherlich nur ein Gerücht.

Als ich mein Dasein in Internet-Communities begann, war er gerade mit Reni zusammen, die sich hier allerdings „Vanity“ nannte.
Vom Angora-Bachelor und Vanity gab es mindestens ein mal pro Woche einen längeren Bildbericht. Die Fotos waren immer sehr leicht zu finden, da er seine Threads schon damals mit drei Pluszeichen versah, sozusagen als Siegel besonders hoher Qualität. Sie zeichneten sich weiterhin durch eine gewisse Weichzeichnung aus wie man sie sonst gerne bei schlechten Hochzeitsfotos findet. Abwechselnd – je nachdem, wer die Kamera gehalten hatte – sah man den Angora-Bachelor oder Vanity in den unterschiedlichsten Positionen. Model-Posings hatten sie selbstverständlich auch drauf.
Insbesondere Vanity kann mit Stolz von sich behaupten, dass sie die Queenmum des Pornoblicks ist. Ich glaube, ich habe nie ein Foto von ihr gesehen, auf dem sie lächelt. Der Süße hat sie mal auf einem Stammtisch erlebt und meint, auch dort hält sie den Blick durch. Das ist professionell! Der Angora-Bachelor machte es ihr tapfer nach, manchmal sah man aber ein leichtes Grinsen auf den Fotos. Somit kleiner Punktabzug. Dies macht er aber durch die Ganzkörpertätowierungen alle Male wett. Auch daran erkennt man, dass er beruflich eine herausragende Position inne haben muss. Wer würde ihn sonst so einstellen? Ich tippe auf Vorstandsvorsitzender eines mittleren Unternehmens – mindestens – oder Privatier mit mehreren Millionen auf dem Konto. Letzteres ist sicherlich zutreffend. Wie sonst hatte er Zeit für all die Parties mit Vanity, die auf seinen Fotos umfassend dokumentiert wurden?
Mal sah man die beiden in ihrem Domizil – eingerichtet wie ein Club, Bar im Wohnzimmer, die Heizkörper mit Alufolie umwickelt, wo sie Einzelherren und manchmal auch Paare eingeladen hatten und wilde Parties feierten, anderntags traf man sich auf Autobahnparkplätzen zu Gangbangs oder posierte in Pornokinos u. ä. Beide strahlten den Flair der 80er aus, waren sie doch so solariengebräunt, dass sie jedem Schwarzafrikaner Konkurrenz machen konnten, und hatten auch die dazu passenden Goldkettchen nicht vergessen.
Irgendwann in dieser Zeit muss der Angora-Bachelor auch seine natürliche Dominanz entdeckt haben. Unvergessen sind seine Regeln für Meister und Sklavinnen, die er flott ausgearbeitet in diversen Communities präsentierte. Die spöttischen Bemerkungen alt eingesessener BDSMer wurden sicherlich einzig aus blankem Neid geboren!

Auch Bachelors müssen mit Trennungen leben. Wo Vanity abgeblieben ist, weiß ich nicht, sei es die Versenkung, eine Klappse oder auch ein Altersheim. Jedenfalls scheint sie dort, wo sie ist, keinen Zugriff auf einen PC zu haben, denn sie beglückt uns nicht mehr mit neuen Fotoserien.

Der Angora-Bachelor lebte fortan als erfolgreicher Einzelherr weiter. Er lud andere Paare und Herren zu sich, zelebrierte Parties und Fotoreportagen und ließ die Swingerszene durch weitere +++-Beiträge an seinem Leben teilhaben:

„+++ Angora-Bachelor hat sich getrennt +++“,
„+++ Angora-Bachelor macht eine Party +++“,
„+++ Angora-Bachelor hat eine Party gemacht +++“,
„+++ Angora-Bachelor hat Langeweile +++“,
„+++ Angora-Bachelor kann einen Purzelbaum +++“,
„+++ Angora-Bachelor hat auch mal einen Sack Reis in China umfallen sehen +++“

gehören zu seinen erfolgreichsten Threads. Auch die „geilen Schiebsalute“ und Fotos, auf denen er seine Gummistiefel trägt (wieder ein Zeichen seines Lebens auf der Überholspur und seiner Persönlichkeit als Trendsetter), vergaß er nie.

Und schließlich trat auch wieder eine Frau in sein Leben. Zwar keine wirkliche Beziehung, aber eine Sklavin.
Sklavin-Wassermann war vorab nicht besonders aufgefallen in den Communities, besonders nicht durch diesen Namen, der ihr erst durch den Angora-Bachelor verliehen wurde. Nun sollte sie aber ihre warholschen 15 Minuten erhalten. Binnen kürzester Zeit tunte der Angora-Bachelor sie nach seinem Geschmack. Sie lernte Vanities Pornoblick, der sie fortan auf allen Fotos zierte und durfte auch deren altes Make-Up auftragen. Die Augen wurden fett schwarz umrandet. Dazu kam silberfarbener Lidschatten. Die Lippen strahlten dunkel umrandet wie man’s zuletzt bei der Frau eines blonden deutschen Showmasters sah. Sie erbräunte auf des Angora-Bachelors Geheiß.
Angora-Bachelor beeilte sich, in einem neuen +++-Thread zum Ausdruck zu bringen, dass es sich um eine 24/7-Sklavin handele, sozusagen um eine +++-Sklavin. Wenn man dem Weichzeichner Glauben schenkt, war sie das auch.

Als der Angora-Bachelor das Interesse verlor, war auch Sklavin-Wassermanns glorreiche Zeit vorbei. Sie dümpelt nun wieder als Solo-Frau in den Foren und trägt auch das schicke Make-Up nicht mehr. Immerhin war’s kein Permanent-Make-Up.

Dass der Angora-Bachelor aber einen Schlag – und den nicht nur bei den Frauen – hat, wie sonst wäre es möglich, dass sich ihm jede Bekanntschaft sofort als Sklavin anbietet und seine Faust in sich spüren will, bemerkten auch die Letzten in seiner Erörterung

„+++ Was ich schon lange mal sagen wollte +++“.

Hier erläutert er, dass er nicht mit CandyB zusammen ist, was er aber könnte, da sie ganz dringend will, sie in ihm aber einen „echten Freund“ gefunden habe.
Die Swingerszene applaudiert, CandyB auch.

Ein Bachelor kann eben einfach naturgegeben mit solchen Situationen umgehen, genau wie mit Schicksalsschlägen.
Noch gar nicht lange her ist es, da teilte er uns in

„+++Angora-Bachelor ist traurig +++“,

mit, dass sein treuester Freund, der Angora-Kater Putzi, das Zeitliche gesegnet hat. Hier wurde auch klar, warum der Bachelor seinen Beinamen trägt. Ich dachte immer, er habe ihn ob seiner zarten Haut.
Dieser Schicksalsschlag scheint den Angora-Bachelor übrigens weicher gemacht zu haben. Man darf ihn seitdem nämlich auch schlicht „Angora“ nennen.

Kurz nach diesem Erlebnis fand der Angora-Bachelor die neue Frau an seiner Seite. Er hatte vorab bereits mehrfach Parties für das Paar Kabrio organisiert. Irgendwann war er dann mit Frau Kabrio zusammen. Bei Karla handelte es sich um eine proppere Dame Ende 40, blond, die sich gerne in farbigen Kostümen mit passendem Make-Up sah. Inzwischen wurden auch für sie die schwarzen Lederklamotten hervor geholt, sie trägt die Schminke von Vanity und hat den Pornoblick schon eben so gut drauf wie das große Vorbild. Gegen die Tätowierungen wehrt sie sich wohl noch, was aber auch nur noch eine Frage der Zeit sein kann, ist sie doch schon zur +++-24/7-Sklavin aufgestiegen.

Wie konnte sie anders, als dafür von ihrem bisherigen Leben mit Mann und Kindern und ihrem typgerechten Make-Up zu lassen?
Karla erhielt übrigens inzwischen auch ihren neuen Namen. Sie heißt nun Toppas. Somit steht sie auf einer Stufe mit den Freundinnen von Dieter Bohlen. Einem Mann kann so etwas nur durch die Papstwahl widerfahren.

Hatte ich erwähnt, dass ich den Angora-Bachelor unlängst selbst erleben durfte? Fast hätte ich ihn nicht gesehen. Na ja, er stand hinter einem Tresen, da ist das gar nicht so einfach. Ein Bachelor hat es nicht nötig, sich durch Unterhaltungen anzubiedern. Er saß einfach in seinem Eckchen – die unvermeidlich stylischen Gummistiefel an den Füßen – und trank sein Bier. Seine Eloquenz strahlte ihm aber aus den Augen. Ich konnte mich gerade noch zurück halten, seine Faust in meine Körperöffnungen einzuladen.

Hätte ich zu diesem Zeitpunkt aber schon seine Homepages besucht, wäre dies noch schwerer gefallen. Hier stellt der Angora-Bachelor vor Midi-Sounds der Guns’n’Roses unterlegt mit Peitschengeknall nicht nur sich, sondern auch seine Cockring- und Gummistiefel-Sammlung vor.

Der Süße ist übrigens in letzter Zeit auch ganz aufgeregt, wenn er vom Bachelor liest. Er hat nämlich erfahren, dass der auch an Männern Interesse hat …

P. S.: Wir wurden geadelt: Angora-Bachelor und Toppas haben uns zwischenzeitlich angeschrieben und zu einem Treffen gebeten. Wir haben abgesagt. Mit solch exaltierten Gestalten können wir einfach nicht mithalten!

17.03.07 + 27.03.07 (PS)

 

Jeschlossenes System

katzeWir sind in einem Club, der eigentlich kaum der Rede wert ist, demnächst aber vielleicht trotzdem einen ausführlicheren Bericht erhält.
Also, wir sind in diesem Club, der ein bissl unter Spielflächenmangel leidet. Viel Auswahl haben wir daher nicht und liegen in einem Raum, der über einen großen Mattenbereich sowie einem Bock oder Bett oder so etwas verfügt. Unsere Mitspieler sind eigentlich gar keine Mitspieler – eher Mitlieger. Einige von ihnen haben den Raum glücklicherweise bereits wieder verlassen, ein Paar liegt noch umschlungen in einer Ecke; die Frau gibt unregelmäßig Schnarchtöne von sich. Wann immer es uns zu laut wird, machen wir uns den Spaß und werfen ein Kissen in ihre Richtung, was sie jeweils mit Brummtönen und Schwanzspielen bei ihrem Begleiter – die jeweils aber nur wenige Sekunden bis zum nächsten Einschlafen dauern – quittiert.
Kurz bevor uns die Kissen ausgehen, kommt Leben in die Bude als ein Paar mit zwei Einzelherren reinkommt und die Gruppe sich um den Bock positioniert.
Wir haben mit uns genug zu tun, so dass wir die Truppe schnell wieder vergessen.
Kurze Zeit später rufen sie sich allerdings wieder in Erinnerung. Wir hören kehliges Gurgeln. Klingt männlich. Allerdings versichert mir der Süße nach einem Blick zur Truppe glaubhaft, dass die Töne aus der Frau heraus kommen.
Im Weiteren werden wir Zeugen folgenden Dialogs:

Frau: *gurgel*
Paarmann: Jaaaa, fick sie in ihre geile Maulfotze.
Solo1: *stöhn*
Paarmann – zu Solo1: Jaaaa, gib’s ihr so richtig.
Paarmann – zu Solo2 [beiläufig]: …und da hab ich mir dann den Jeep gekauft, weil wir ja die Katze haben und die passt dann so gut in der Kofferraum und …
Solo2 [jovial]: Ja, wenn man ’ne große Katze hat, ist ein Jeep am besten.
Paarmann – zu Solo1: Ja, besorg’s der Maulfotze so richtig!
Paarmann – zu Solo2: … und der hat ja auch diese Alufelgen …
Solo1: Ja, ich fick die Stute in ihr Maul.
Paarmann – zu Solo1: Ja, fick der Sklavin das Maul.
Frau: *gurgel*
Paarmann – zu Solo2: …da musste ich keine anderen aufziehen.
Paarmann – zur Frau [lauter]: Ja, zeig ihm mal, was ein richtiger Kehlenfick ist, du Sau!
Paarmann – zu Solo2: Wir haben die Katze ja erst angeschafft. Da sind Jeeps echt am besten.
Solo1: Ich spritz der Schlampe in ihr Maul.
Paarmann – zu Solo1: Ne, nicht in ihr Maul spritzen. Ich sach dir warum…
Solo2: Ja, genau, nicht in ihr Maul spritzen.
Frau: *brummel*
Paarmann – zu beiden Solos: Dat ist nämlich en jeschlossenes System. Da komm nur ich rein. Und das muss ein System bleiben. Da darf kein anderer rein spritzen. Wir nehmen immer Gummis. Weil, dat is ja en jeschlossenes System. Wir wolln ja gesund bleiben.
Frau: *gurgel*
Solo1 [entweder deutlich abgekühlt oder leise gekommen]: Ihr seid ja echt ein geiles Paar. Ich hätte euch ja nie angesprochen, weil ihr ja so ein geiles Paar seid. Und so ’ne geile Frau. Von mir aus hätt ich euch ja nie angesprochen.
Paarmann [zu beiden Solos]: Die Sklavin muss gefickt werden. Ist ja keiner da, der sie richtig durchfickt. Wir sind ja nicht im Streichelzoo hier.
Paarmann – zur Frau: Ja, Sklavin, dat hasse gut gemacht.
Solo1: … ein ganz geiles Paar seid ihr …
Paarmann – zur Frau: Richte deine Kleidung, Sklavin.
Paarmann – zu Solo2: Ja, und die Ausstattung von dem Wagen ist echt gut und die Katze passt super rein und …

Wir spielen schon lange nicht mehr. Die Unterhaltung war für uns anscheinend zu anregend. Wir entschließen uns, noch mal an die Bar zu gehen und kommen dabei an der Gruppe vorbei. Ah ja, der Bachelor mit Toppas. Nun haben wir die auch mal in Aktion gesehen und wissen: Die haben ja gar keine Schreibschwäche…

21.11.08

 

Bachelor-Franchise

Auf einer Party im Ausland begegnen wir einem kleinen Mann mit der Aufschrift „Bachelor“ auf dem Shirt.

Ob das mit dem Angora-Bachelor abgesprochen ist? Sollen wir ein Handyfoto machen und ihm schicken?

Vielleicht hat er ja ein Franchise-Unternehmen gegründet und vergibt Lizenzen auf den Titel. Aber – um mal die Verschwörungstheoretiker rauszukehren – eventuell ist ja doch was dran an dem in „Die Geschichte der O“ erwähnten Netzwerk der Döme. Seit diese Billigmodemarktkette Ringe der O im Angebot hatte, erkennen sich die wirklichen Meister natürlich nicht mehr daran, sondern an ihren T-Shirts, Monogrammen und Gürtelschnallen.

Wir wollen mal flott zu diesem Bachelor gehen und schauen, ob er Gummistiefel trägt…

31.03.2009

 

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