Papa was a Rolling Stone

oriAusgehfreitag. Schon im Laufe der Woche haben wir uns entschlossen, mal wieder in diesen Club im Ausland mit Lieblingsclub-Potential zu gehen. Zwar liegt er mit fast 2 Stunden Fahrzeit schon etwas außerhalb unseres eigentlichen Einzugsbereichs, aber unser erster Besuch dort war so überzeugend, dass wir seinerzeit beschlossen, bald wiederzukehren. … und das ist nun auch schon wieder viel länger her, als wir eigentlich beabsichtigt hatten.

Da die Entscheidungsfindung also schon hinter uns liegt, sind wir – für unsere Verhältnisse – nun relativ schnell; nur duschen, umziehen, Clubkleidung zusammensuchen, fahren. Dennoch wird’s ganz schön knapp mit dem vergünstigten Eintritt. Den gibt’s nämlich, wenn man innerhalb der ersten halben Stunde nach Cluböffnung, also zwischen 21:00 und 21:30 Uhr, eintrifft. Na ja, was soll’s. Zahlen wir halt notfalls 15 Euro mehr. Wert ist es der Club auf jeden Fall!

Pünktlich auf die letzte Minute treffen wir ein. Unter zig Clubkarten (andere haben Kreditkarten, wir haben Clubmitgliedskarten!) kramen wir die Bonuskarte hervor, kriegen unseren Stempel und den Sonderpreis. Aber auch die nicht mehr im erforderlichen Zeitfenster erschienenen Paare nach uns kommen noch mit Rabatt in den Club. Der Chef ist kulant.

Da der kleine Umkleideraum wieder überfüllt ist, nehmen wir unseren Kram kurzerhand in einen anderen Raum, ziehen uns dort um und legen unser Zeug später einfach nur noch in den Schrank. Fertig.

Im Barraum ist schon richtig Betrieb. Das ist der Vorteil des vergünstigten Clubeintritts. Alle kommen in etwa gleichzeitig und die Party kann sofort starten, ohne dass man sich in den ersten Stunden wie auf einem Bahnsteig fühlt.
Wir lassen uns die üblichen „witte Wodka“ mit Red Bull geben und sehen uns um. Och, da ist ja die dunkelhaarige Frau, die wir immer im Chalet treffen. Wir winken, die Freude ist auf beiden Seiten groß, schließlich haben wir uns länger nicht mehr getroffen.
An der Bar wird es uns aber zu voll, so dass wir uns in die Sitzecke lümmeln.

Wie? Ich soll den Raum erstmal beschreiben? Ok!
Also, der Club ist komplett ägyptisch eingerichtet und legt dabei eine Detailverliebtheit an den Tag, dass man meinen könnte, man hielte sich in einem führenden Freizeitpark auf, wenn da nicht Spielräume anstatt Achterbahnen wären.
Der Barraum ist der größte Raum des Clubs. Neben der ihm den Namen verleihenden Bar gibt es einige Stehtische, eine Sitzecke am Kamin, in der sich mehrere Couchen nicht um einen Tisch, sondern um eine große Spielfläche mit Schaukel gruppieren, sowie einen Tanzbereich mit Tanzstange. Passend zur Thematisierung des Clubs schauen einen mehrere Pharaonen von Wänden, die aus Steinen einer Pyramide gemauert sein könnten, entgegen.

Jetzt wäre es unsinnig, die Beschreibung abzubrechen, so dass ich mit dem restlichen Club weiter mache:

Das übliche Buffet gibt es natürlich auch hier. Es wird in einem Zelt serviert, das an den Barraum anschließt. Zwar gibt es mehrere Wärmepilze und Heizlüfter, jedoch ist es doch recht zugig und kühl. Das Buffet selbst entschädigt dafür so einiges. Bei unseren bisherigen Besuchen gab es jeweils zwei Fleischgerichte, ein Nudelgericht sowie Kartoffelgratin. Dazu finden sich 10 – 20 Schalen mit verschiedenen Köstlichkeiten a la Antipasti, z. B. Brokkolisalat, eingelegte Pilze, Krabbensalat, etc. pp. Eine Suppe und Nachtisch runden das Angebot ab. Nachgelegt wird bis kurz vor Ende der Party und – klar – alles schmeckt ausgezeichnet.

Vom Barraum geht es weiter in einen kleinen Spielraum. Es handelt sich um so eine Art Darkroom, der jedoch nicht ganz dunkel ist, weil die Wände, die von innen aussehen wie mexikanische Häuser, nicht ganz bis zur Decke gehen. Innerhalb des am Boden komplett mit Matten ausgekleideten Raums ist ein kleinerer Teil zu einer Hütte abgeteilt, auf deren Dach sich weitere Matten befinden.

Zur anderen Seite schließt sich der Flur dem Barraum an. Hier kommt man zunächst durch das Entree, danach in einen Flur, der durch den Umkleideraum abgeschlossen wird. Vom Flur gehen außerdem drei Spielräume ab.

Auf der linken Seite geht es in einen größeren Raum mit einer einzigen großen Spielfläche in Betthöhe.
Auf der rechten Seite gelangt man zunächst in einen SM-Raum, in dem Gratis-Massagen angeboten werden. Daneben befindet sich ein Spielraum mit einem etwas vergrößerten Bett, an dessen Kopf eine Sitzecke angebaut ist.
Dass alle Räume äußerst schön und wertig eingerichtet sind und das Ägypten-Thema bis ins kleinste Detail stringent eingehalten wurde, brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Aber nicht nur das Ambiente gefällt uns hier, sondern insbesondere die Mentalität der Gäste und ihre Art zu feiern. Man gibt sich durchweg mehr Mühe mit Clubkleidung. Es ist ein bissl mehr kinky als in den nordrhein-westfälischen Clubs und auch ein bisschen phantasievoller. Es gibt wenig bis gar keine Cliquenbildung. Man ist haiter, feiert bunt durcheinander – ohne jovial und zu aufdringlich zu werden und jeder unterhält sich mit jedem, unabhängig davon, ob man als mögliche Spielpartner zusammen passt oder nicht. Dazu läuft den gesamten Abend gute Musik, angefangen von House über Trance bis hin zu südamerikanischen und jazzigen Rhytmen. Die Gäste danken es, indem die Tanzfläche die ganze Nacht gefüllt ist. Genau so aktiv ist man in den Spielbereichen.

Und was wir gemacht haben? Nun wir haben mit den anderen gelacht, gescherzt, gefeiert und sogar gespielt. Über die Details decken wir den Mantel des Schweigens und geben dem Club eine glatte 1.

03.04.09

 

Bewertung nach Schulnoten von 1 – sehr gut – bis 5 – mangelhaft

  • Ambiente: 1
  • Sauberkeit: 1
  • Leute: 1
  • Stimmung: 1
  • Essen: 1
  • Preis/Leistung: 1
  • Visits: > 5
  • Vote: go

 

Update: Ende 2013 haben die Betreiber diesen Club verkauft, um sich neuen Projekten zu widmen. Die neuen Inhaber scheinen extrem untalentiert oder uninteressiert zu sein, jedenfalls konnte man nie schneller den Niedergang eines Clubs beobachten.

14.04.2015

 

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