Was für ein verrückter Abend!

chaletDienstag wissen wir noch gar nicht, ob wir am folgenden Mittwoch ins Jugendstilchalet wollen; akute Club-Unlust anscheinend. Am folgenden Tag ist uns davon allerdings nichts mehr anzumerken und es zieht es uns wie gewöhnlich magisch ins Nachbarland.

Wir wollen all diese Gestalten der Nacht erleben, Spaß haben, feiern. Wir wollen den verrückten Henk treffen, der allen Frauen erst mal an die Titten oder an den Hintern fasst, aber dabei keine Ohrfeigen, sondern nur Erhaiterung kassiert, seine Freundin, Sanne, die seinem Fetisch entsprechend meist oben ohne und im String herumläuft, die blonde Frau mit der rauchigen Stimme und ihrem etwas zu klein geratenen glatzköpfigen Mann, die Frau mit dem dicken Mann, die den gesamten Abend über tanzt und all die anderen, ohne die uns an einem Mittwoch im Chalet irgendwas fehlen würde.

Wir kommen wieder mal nicht pünktlich aus dem Haus und treffen erst gut anderthalb Stunden nach Cluböffnung ein. Na ja, macht nichts. Kurz nach Öffnung sind die Soloherren noch viel zu aufgeregt, was sich im Laufe des Abends dann aber legt.
Mal schauen, ob Jaap momentan noch zum Parkplatzdienst eingeteilt ist oder ob er schon an der Bar steht. Jaap, der uns immer etwas wie eine Mischung aus dem Schlemihl aus der Sesamstraße und dem Vollstrecker aus dieser Jürgen-von-der-Lippe-Sendung vorkommt, ist ein Mitarbeiter des Chalets, mit dem uns eine sehr gute Bekanntschaft – wenn nicht gar Freundschaft – verbindet. Sie offenbart sich u. a. dadurch, dass wir seit einiger Zeit kleine Cadeotjes, sprich Geschenke, austauschen. Außerdem weist uns Jaap, wenn er denn den Parkplatz hütet, einen besonders guten Standort für unser Auto zu.

Diesmal sehen wir weder Jaap, noch einen anderen Parkwächter, dafür aber jede Menge Autos, die ziemlich unmotiviert auf dem Parkplatz herumstehen. Eine Gruppe von Leuten steht vor dem Eingang, andere überall auf dem Parkplatz verteilt.
Ein Auto hält neben unserem. Der darin sitzende Solo teilt uns mit, dass geschlossen sei und wir nun alle woanders hinführen. Geschlossen? Die haben doch eben erst wiedereröffnet.
Dann treffen wir aber auf die dunkelhaarige Frau, Monique. Ich hatte sie eben nicht mit aufgezählt, aber sie gehört auch zu den Stammkunden hier. Sie trägt grundsätzlich weiße Lederdessous und wir haben sie zunächst immer für eine Solo-Frau gehalten, dann aber später mitbekommen, dass sie sehr wohl einen Partner hat, der sie aber nicht immer zum Chalet begleitet. Monique teilt uns mit, dass alle schon länger vor verschlossenen Toren stehen. Die Betreiber seien wohl an diesem Abend nicht erschienen. Jetzt werde man aber gesammelt in einen anderen Club fahren; am besten kämen wir einfach hinter ihrem Auto her.

Genau so machen wir’s. Wir folgen ihrem Kleinwagen und fahren zusammen auf die Autobahn ein. Daraufhin folgt eine ewig lange Fahrt. Mehrfach fragen wir uns, ob wir hinter dem richtigen Auto sind und ob wir richtig verstanden haben. Uns wundert auch, dass außer uns scheinbar niemand mitfährt. Gerade als wir eine Frist setzen wollen, bis zu deren Ende wir noch hinter dem Auto bleiben, wird vor uns der Blinker gesetzt und wir verlassen zusammen die Autobahn. Kurz darauf biegen wir auf den Parkplatz eines Clubs ein.
Kaum stehen wir dann vor der Tür, sind auch alle anderen da, so dass sich eine lange Schlange bildet. Keine Ahnung, ob sie einen anderen Weg gefahren sind oder einfach nicht so schnell waren wie wir.

Der Clubbetreiber ist wenig überrascht, vermutlich hat irgendwer vorab angerufen, und lässt uns eintreten.
In Windeseile sind zunächst die Umkleideräume und dann der Barraum voll. Die Mitarbeiter schlagen sich ob dieser Invasion ganz gut. Wir lassen uns auf ein Sofa nieder und sehen uns interessiert um. Der Raum ist, von den Sofas – Marke „Oma“ – mal abgesehen, ganz nett eingerichtet, aber die Musik ist ja grauenvoll. Es läuft irgendein Schlager in der Landessprache, der seltsamerweise einen deutschen Refrain beinhaltet. Um ein bekanntes deutsches Lied handelt es sich nicht, das den deutsch gesungenen Teil erklären würde und ein deutscher Interpret singt hier auch nicht. Nehmen wir es als Skurrilität zu den Akten und schauen uns die Gäste an. Kurze Zeit spielen wir „Wer ist Chalet-Gast und für wen war dieser Club hier heute abend erste Wahl?“, dann fällt uns aber ein, dass der Parkplatz bei unserem Eintreffen leer war und wir brechen zu Gunsten einer Runde durch den Club ab. Geraucht wird in einem separaten Raum; das freut. Ein Buffet gibt’s hier nicht. Gerechnet haben wir ehrlich gesagt auch nicht damit, das Etablissement ist doch eher … öhm … einfach. Vertragen würden wir aber eine Kleinigkeit. Zu Hause noch nichts gegessen, waren wir doch in Vorfreude auf ein paar belegte Brötchen zum Chalet gefahren. Na ja, Vorfreude ist ein bissl übertrieben. Sagen wir so: Wir wussten, dass wir im Chalet nicht verhungern müssen. Hoffen wir mal, unsere Hungergefühle bei den zweifellos anregenden weiteren Clubräumen zu vergessen …

Klar, das „anregend“ gerade war ironisch gemeint. Oben gibt es ein paar schlichte Spielräume. In Erinnerung ist mir davon nur einer (darum gibt’s hierzu auch keinen Clubtest), ein Raum mit einer großen Matte, die sich bei genauerer Betrachtung als Holzfläche mit mehreren darin eingelassenen, Matratzen darstellt. Trotzdem wird dies der Raum unserer Wahl. Einige weitere Paare kommen schnell hinzu, bleiben aber auf dem Holz sitzen. Sie gucken interessiert, lächeln und aufmunternd zu, tun aber sonst nichts in unsere Richtung. Die meinen jetzt doch wohl nicht, dass wir von unserer weichen Matratze zu ihnen aufs Holz rutschen? Wir fragen sie nicht, sondern spielen einfach allein.
In den Raum neben uns kommt irgendwann mit großem Getöse eine Gangbang-Gesellschaft, das heißt, es ist wohl mehr eine Möchtegern-Gangbang-Gesellschaft. Denn anstatt mal mit dem Bangen anzufangen reden sie ohne Unterlass, Kichern mit inbegriffen. Wohl mehr ein Gang-Battle.

Waren wir nicht eh gerade fertig? Wir schauen noch mal durch alle Räume, sehen überraschend wenig spielende Paare und lassen uns noch kurz im Barraum nieder. Sie spielen schon wieder dieses seltsame Lied. Insgesamt haben sie hier ein Tape mit nur etwa fünf Liedern in Rotation; alles gruseliger Schlagerkram. Eine Beschwerde der Frau mit der rauchigen Stimme ganz zu Beginn unseres haiteren Abends hier im Club hat auch keine Milderung gebracht.
Ach, fahren wir doch einfach nach Hause.

Der Blick auf die Uhr im Auto erschrickt uns fast. Es ist gerade mal halb zwölf. Wann sind wir zuletzt um diese Zeit aus einem Club heraus gekommen? Wir wissen’s gar nicht mehr. Inzwischen ist es mir aber wieder eingefallen: Das war in der Nacht vor unserem ersten Plaisier-Besuch. Na ja, der Club damals ähnelte diesem hier auch deutlich.

„Komm, lass uns noch mal am Chalet vorbeifahren. Bevor die nun vielleicht ganz schließen, schauen wir’s uns noch einmal an.“
Der Plan gefällt uns beiden.

Das Chalet ist wider Erwarten hell erleuchtet. Das Tor zum Parkplatz ist geöffnet und es stehen sogar einige Autos dort. Haben die etwa doch noch geöffnet?
Wir klingeln, erwarten schon gar nicht mehr, dass uns um diese Zeit noch jemand öffnen und schauen schließlich in das grinsende Gesicht von Frederic, einem anderen Mitarbeiter des Chalets. Er freut sich sichtlich über unser Kommen, will noch nicht mal Eintritt und hat – nachdem wir aus den Umkleiden kommen – schon unser übliches Getränk für uns gemischt. Auch Jaap ist hocherfreut. Das hier ist ja schon ein bissl wie thuis.
Verspätet geöffnet habe man übrigens, weil die Betreibertöchter Probleme mit dem Auto oder einen Unfall hatten. Na ja, wer’s glaubt. ‚Nen Familienkrach soll’s ja schon mal gegeben haben. Wir haben die beiden jedenfalls nie mehr im Club gesehen.

Komische Gestalten sind heute hier – außer uns natürlich. Ach ja, die anderen Stammgäste sind ja auch noch in dem gruseligen Club, aus dem wir gerade kommen.

Wir spielen noch ein bissl und ziehen es vor, dabei alleine zu bleiben.
Danach unterhalten wir uns noch mal mit Jaap und Frederic, hören zum Abschluss wie üblich Andre Hazes und freuen uns: Was war das doch für ein verrückter Abend!

22.10.08

 

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